Ricci wird unter Kennern als der Paganini-Spezialist
des 20sten Jahrhunderts gehandelt.
Dies hat sicher seine Berechtigung, erwähnte doch Ricci selbst,
wie wichtig Paganini für seine Entwicklung war. Die Aufnahmen
der Capricen op. 1, es sind Komplett-Einspielungen in den Jahren 1949,
1956, 1978 sowie Teil-Aufnahmen 1988 erschienen, dokumentieren dies
zusätzlich zur Einspielung der schwierigen Variationen ("Heil
Dir im Siegerkranze").Wer Ricci nur mit Paganini in Zusammenhang
bringt, übersieht einen wesentlichen Aspekt, nämlich den
des Musikers Ricci.
Ricci hat sich sehr dem Repertoire der Klassik gewidmet, wobei die
Werke von Beethoven eine zentrale Rolle einnehmen, aber auch das romanitische
Repertoire auf breiter Basis. Zahlreiche Einspielungen bezeugen von
der hohen Qualität des Spiels und der Werktreue, beides als Ergebnis
seiner Hingabe und des Ernstes anzusehen, die Ricci entwickelt hat.
Werke der Moderne, zeitgenössische Werke stellen einen großen
Teil des Programms, sei es auf Tonträger
oder im Konzertsaal, dar.
Als Beispiel seien die Sonaten von Paul Hindemith, op. 31/1 und /2
genannt, die Ricci oftmals gespielt hat. Wer außer ihm noch?
Zeit seines Lebens hat Ricci sich mit der Intonation
befasst.
Dabei sieht er die Tonleitern als Fundament an. Darüber hinaus
gelten jedoch außergewöhnliche Fingerübungen, wie
z.B. Terzen-Skalen mit 3. und 1. Finger oder 4. und 2. Finger gespielt,
sowie die Berücksichtigung der Obertöne, speziell bei Terzen
zu den Marksteinen der Intonation.Hier muß man jedoch die Anmerkung
machen, daß die Intonation Riccis selbst Schwankungen aufweist.
Stellt ein sehr kritisches Ohr bereits bei den frühen Aufnahmen
von Sarasate und Paganini aus dem Jahr 1934 leichte Unsauberkeiten
fest, so weisen die schwierigsten Passagen von Paganini-Variationen
oder Wieniawski-Etüden in den live-Aufnahmen eindeutige Intonationsmängel
auf. Man kann nun einwenden, daß dies bei Live-Aufnahmen nun
einmal vorkomme, doch soll auf z.B. Heifetz oder Oistrach verwiesen
werden, bei denen Intonationsmängen praktisch nie vorkommen.
Heifetz: "Man darf
niemals seine Grenzen zu erkennen geben").
Riccis Aufnahmen im Klassik- und Romantik-Repertoire beweisen jedoch
durchgängig eine sehr genaue und unfehlbare Intonation auf.
Letzte Aufnahmen der Chopin-Preludes oder der Schubert Sonatinen sind
durch absolut perfekte Intonation, gepaart mit Delikatesse und Inspiration
des Spiels gekennzeichnet.
Allein die Ideen, neben dem Repertoire auch neue Wege zu beschreiten,
sind bemerkenswert: "The Glory of Cremona"
aus den 50er Jahren gibt es Jahren eine LP auf der Ricci auf zahlreichen
Instrumenten der größten Geigenbauer spielt,
Auf der o.e. Aufnahme spielt Ricci verschiedene, meist barocke Miniaturen,
jede auf einem anderen Meisterinstrument der berühmtesten Geigenbauer
von Cremona. Zwar hat J. Hartnack (Große Geiger unserer Zeit,
Atlantis Verlag) teilweise recht mit seinen Feststellung, daß
trotz der verschiedenen Instrumente doch der unverwechselbare Ton
von Ricci überwiegt, trotzdem ist es eine Dokumentation des
berühmten Italienischen Geigentones in verschiedener Ausprägung.Die
letzte Einspielung auf DVD (Label: Dynamic, Genua), bringt den zeitgenössischen
Geigenbau von Cremona, wobei Ricci auf den verschiedenen Instrumenten
immer dasselbe Stück spielt.Beethoven und Brahms - Violinkonzerte:
Ricci spielte auf CD die Konzerte ein, wobei er die Kadenzen vieler
Komponisten und Geiger anfügte, sodaß man wählen
kann, welche Kadenz man hören will.
Sibelius: Werke für Violine:
Unter dem Label Discopaedia Studio series MBS 2009/10 erschien
eine Aufnahme aller Werke von Sibelius für Violine und Klavier.
Die Aufnahmen entstanden 1979; sie umfassen Werke aus den opus-Zahlen:
op. 2; op. 78; op. 79; op. 80; op. 81; op. 102; op. 106; op. 115
und op. 116.
Keine zweite komplette Einspielung dieser Werke ist bekannt.
Paganini: Capriccios:
Wohl die einzige Einspielung auf LP nach dem "Direct-to-disc"
Verfahren, bei dem die volle Dymanik des Originals und der Live
Eindruck erhalten bleiben. Label: Umbrella
Ricci ging ein großes Wagnis ein, die Aufnahme klingt jedoch
teilweise sehr scharf im Ton, die Intonation läßt zu
wünschen übrig.Die schönsten Aufnahmen im Alter:
Für
den Label "One-Eleven" hat Ricci im Jahre xxx die Sonaten
von Schubert eingespielt.
Ist die Intonation als absolut zu bezeichnen, besticht die Aunahmetechnik
dadurch, daß Ricci gleichsam im Raum steht und intensiv, aber
gleichzeitig intim spielt.
Ricci hat viele Stücke für Geige allein
oder für Geige und Klavier bearbeitet.
Darunter auch die Etuden für Klavier von Frederic Chopin.
Die Umsetzung auf die Besetzung Geige-Klavier führt zu einem
merkwürdigen oder groteskem Eindruck: Der Pianist begleitet,
während die Geige die Melodie von z.B. der "Schwarze-Tasten
Etude" spielt.
Dies mag für die Geige schwer sein, der Zuhörer möge
selbst über den Gesamteindruck urteilen.
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