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David Oistrach auf der Bühne mehr dazu...  
Solist und Dirigent mehr dazu...  
Immer an der Spitze mehr dazu...  
Sein besonderes Spiel mehr dazu...  
Der größte Violinton überhaupt ? mehr dazu...  
Vater und Sohn mehr dazu...  

 

 

David Oistrach auf der Bühne:
Schon beim Betreten der Bühne ging von David Oistrach eine Ruhe und Souveränität aus, die dem Publikum signalisierten: "Hier wird etwas besonderes geschehen". Es war die Selbverständlichkeit, die er ausstrahlte, und die Ruhe, die durch das ganze Konzert andauerte. Sobald er zu spielen anfing, bestätigte sich um so mehr dieser Eindruck. Sein Spiel läßt sich in allgemeiner Form am ehesten mit dem Dahinströmen eines breiten Flusses, ebenmäßig und anhaltend, beschreiben. Sofort fiel jedem Zuhörer, der wenigstens ansatzweise Vergleichsmöglichkeiten besaß, die Größe und die Fülle des "D.O." - Tons auf. Man hatte zuvor nie eine derartige Fülle und Stärke gehört. (Am ehesten könnte wohl Fritz Kreisler eine ähnliche Wirkung erzielt haben).
Die Stärke der Persönlichkeit zeigte sich im Spiel, aber auch, wenn er dirigierte.
Die Gleichmäßigkeit im Spiel, die Konstanz der Tempi, das Gefühl, das "richtige" Tempo zu hören, zeichnete die Konzert-Athmosphäre aus. Im Zusammenspiel von Vater und Sohn merkte man die unterschiedlichen Temperamente.
Erinnerlich ist z.B. das Doppelkonzert von Bach. Der Sohn war eher geneigt. seinem Temperament freien Lauf zu lassen, aber sofort holte ihn ein Heben der Augenbraue des Vaters wieder zurück.
Die Wirkung von David Oistrach wird bei allen seinen Zuhörern, die ihn auf der Bühne erleben konnten, unvergessen bleiben.

 
     
  Solist und Dirigent:

Die starke Persönlichkeit Oistrachs drängte förmlich darauf, über das reine Violinspiel hinauszugehen und die innere Vorstellung als Dirigent zu verwirklichen und zu realisieren.
Ist es heute, 2001, beinahe üblich, daß wirklich große Solisten auch im Laufe ihrer Karriere zum Dirigieren finden, so war dies vor 30 Jahren nicht in dem Ausmaße üblich. David Oistrach begann frühzeitig, sobald es das Kultur-Management der Sowjetunion zuließ, zu dirigieren. In einem Interview ca. 1970 sprach er noch von großen Plänen, wie "Opern werde ich auch noch dirigieren..." Einen Teil seiner Pläne konnte er zu Lebzeiten verwirklichen. Sein Dirigat war so wie sein Violinspiel durch die bewundernswerte schlichte Ruhe und Ausgeglichenheit gekennzeichnet.
 
     
  Immer an der Spitze:

Es war ein Merkmal aller russischen Solisten, eine ungekannte Perfektion auf die internationalen Konzertpodien zu bringen. Neben David Oistrach möchte ich hier besonders Leonid Kogan hervorheben, der dies noch auf die Spitze trieb.

D. Oistrach war technisch an der Spitze, obwohl die Technik des Spiels für ihn niemals Selbstzweck war. Zahlreiche Zeugnisse belegen aber, welch hohen Aufwand er trieb, um an die Spitze zu gelangen und an der Spitze zu bleiben. Genauste Vorbereitung der Werke und auf die betreffende Aufführung waren selbverständlich. Dahinter stand aber noch etwas: Ein unglaublicher Streß, die beste Leistung bringen zu können, sowie sicher auch das sowjetische "Kunst-Management", das die Konzerttätigkeit der russischen Musiker als politischen Akt deuteten und als Publicity zu verwerten trachteten.
David Oistrach war und blieb zeit seines Lebens an der Spitze. Mir ist keine einzigen Aufnahme bekannt, die nicht beseelt und von der größten Musikalität und Authentizität gekennzeichnet wäre.
Sogar von dem großen Nathan Milstein sind einige Aufnahmen (Rundfunk-Mitschnitte) bekannt, die nicht "allzu interessant" wirken. Niemals aber konnte man dies über ein Werk, gespielt von D. Oistrach sagen.
 
     
 

Sein besonderes Spiel:
Wie erklärt man etwas, das mit Worten so schwer auszudrücken ist? Es ist bekannt und durch Schüler wie Peter Guth belegt, daß D. Oistrach als Lehrer stets die Violine bei der Hand hatte, und sehr viel vorspielte. Dies deutet in dieselbe Richtung, nämlich die Musik durch die Musik selbst auszudrücken.
Bruno Monsaingeon faßt in einer Würdigung zusammen:

Oistrachs Vortrag war nicht sosehr durch Brillianz gekennzeichnet, als durch die Fülle des Klangs, die Lyrik, den abgerundeten Ton, den unglaublich scharf en und klaren Kontakt zwischen Saite und Bogen, seine Fähigkeit, den Bogenstrich selbst bei der kürzesten Note ohne jede Anspannung auszuführen, seine fleischige und doch geschmeidige Linke, die in der Lage war, ein erhabenes Vibrato und eine unglaubliche Fülle von Klangfarben zu spielen.

Hinzuzufügen ist weiters die Flexibilität der Tongebung, die es gestattete, einerseits die Kadenz der Teufelstriller-Sonate und die Akkorde mit nicht enden wollenden Ton-Kaskaden zu bringen, andererseits im langsamen Satz der f-moll Sonate von Prokofieff ein fahles Pianissimo erklingen zu lassen, das selten gehört werden kann. (Heute am ehesten von Gidon Kremer)

 
     
  Der größte Violinton überhaupt ?
Was ist eigentlich ein "Großer Violinton"? - Nennen wir ihn groß, voll, stark oder sonstwie - der Ton D. Oistrachs hatte eine Stärke und eine Darstellungskraft jeder einzelnen Note, die bisher nicht in Konzertsälen oder auf Aufnahmen bekannt waren. Denkt man an die Kadenzen im Konzert op. 61 von Beethoven oder im Konzert von Brahms op. 77, so brachte D. Oistrach eine verblüffende Klangfülle und Stärke hervor. In den Kadenzen konnte er sich dies erlauben, was im auskomponierten Teil der Konzerte nicht angebracht gewesen wäre. Er hätte an praktisch jeder Stelle eines Konzerts noch über dem Orchester stehen können, hielt sich jedoch je nach Werk stilistisch richtig zurück.
Es gibt eine Aufnahme des Konzerts KV 219 von Mozart, das D. Oistrach mit dem ihm eigenen Ton spielt, den man nicht als "schlanken Ton" im Sinne der Mozart-Interpretation bezeichnen kann. Trotzdem verstand es Oistrach in diesem Konzert eine schlüssige und sehr überzeugende Interpretation vorzulegen.
 
     
  Vater und Sohn:
"Von allen Geigern unserer Generation hat es wohl Igor Oistrach am schwersten"...schreibt J. Hartnack in seinem Buch "Große Geiger unserer Zeit". Man muß ihm beipflichten und hinzufügen, daß es auch schwer war der Igor Oistrach neben dem so bedeutenden Vater zu werden.
Gemeinsam ist Vater und Sohn die Perfektion, die Tonbildung auf der Geige und der gemeinsame musikalische Lebensweg über Jahre hin.
Damit sind aber die Gemeinsamkeiten schon zu Ende, denn Igor Oistrach ist ein anderer Musiker als sein Vater.
Über Interpretationen kann man bekanntlicherweise verschiedener Meinung sein, so wäre die Interpretation einiger Werke im Solo-Abend der Salzburger Festspiele 1988 dem Vater "nicht passiert" sind jedoch für den Sohn als "Überinterpretation" zu werten.