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David Oistrach - seine Kunst anhand von Konzerterinnerungen und ausgewählter Platten- und Videoaufnahmen
Diese Beschreibung umfaßt Konzerterinnerungen und eine Darstellung wichtiger und bemerkenswerter Platten- und Videoaufnahmen.

David Oistrach hat erst als Künstler im Alter von nahezu 50 Jahren die Möglichkeit erhalten, über die Sowjetunion hinaus in den Westen zu reisen.
Bis dahin war er nur durch seine Plattenaufnahmen bekannt, die unter anderem bei dem russischen Label "Melodia-Eurodisk" oder in Ostdeutschland bei "Eterna" erschienen waren.

Erinnerungen an Konzerte von David Oistrach in Wien

David Oistrach hatte erst im Jahre 1956 Gelegenheit im Musikverein in Wien aufzutreten. (21. Juni 1956). Als Dirigent trat er im Jahre 1966 (24. Mai) auf. Frühere Auftritte in Österreich sind aus dem Wiener Konzerthaus bekannt. Sie finden eine Übersicht aus dem Archiv des Wiener Konzerthauses hier...
Konzert von David Oistrach
Konzert am 22. Mai 1966:
David und Igor Oistrach spielten das Konzert in d-moll, BWV 1043 von Bach. Vorher stand die Symphonie Nr. 48 in C von Haydn auf dem Programm, danach die 9. Symphonie von A. Bruckner.
Die Wiener Symphoniker wurden dirigiert von Wolfgang Sawallisch.

Das Bach Doppelkonzert wurde von den beiden Oistrachs auf Platten eingespielt. Die Präzision des Zusammenspiels, die Stilsicherheit und der Kontakt zum Orchester sind besonders in Erinnerung. Das unterschiedliche Temperament von Vater und Sohn war erkennbar: Sobald Igor Oistrach in der Agogik oder gelegentlich im Tempo anzogt, wurde er durch die hochgezogene Augenbraue des Vaters wieder auf die eingeschlagene Linie gebracht. Das Bach-Spiel der Oistrachs litt nicht unter zu großer Tonfülle, wohl stand es als etwas klassisch angehauchte Interpretation im Gegensatz zu heute (2001) gepflogenen "authentischen" oder wieder barockisierten Aufnahmen diverser Ensembles. Damals galt dieses Spiel als mustergültige Bach-Interpretation.

Konzert vom 24. Mai 1966:
David Oistrach
dirigierte die Wiener Symphoniker.
Neben der Oberon-Ouverture von Weber spielte Igor Oistrach das Konzert von Mendelssohn, nach der Pause spielte David Oistrach das a-moll Konzert von Bach.
Das Konzert schloß mit der 2. Symphonie von Franz Schubert.
Obwohl es Stimmen zur Bach-Interpretation durch D. Oistrach gibt, die sich am zu großen Ton festmachen. Demgegenüber konnte man in diesem Konzert die hohe Stilsicherheit Oistrachs als verläßlichen Faktor bewundern. Die Bach-Interpretation war perfekt, der große strahlende Ton als Besonderheit zu werten. Das Programm ist nebenstehend zu sehen.

Konzert von David Oistrach
Konzert von David Oistrach

26. Mai 1966: Konzert der Berliner Staatskapelle unter Otmar Suitner:
Beethoven:
Große Fuge in B-Dur, op. 133
Beethoven:
Konzert op. 61, Solist: David Oistrach
Reger:
Variationen und Fuge für Orchester, op. 132

 

David Oistrach gab in den beiden Konzerten sozusagen seine Visitenkarte; sein Spiel war gekennzeichnet von dem großen Violinton, der je nach Wunsch auch bei den Forte- Stellen über dem Orchester stand; die Kadenz des Beethoven-Konzertes geriet zu einem Bad im Wohlklang der Töne;
Ich erinnere mich noch an das Urteil meines Freundes Gustav Kuhn, "das war das Violinkonzert von David Oistrach".

Ganz übertrieben ist dieses Urteil nicht, es betrifft einfach die Dominanz des Solisten, der aber meiner eigenen Meinung nach nie den Stil gerade dieser beiden Konzerte verletzte.

Konzert von David Oistrach
28. Mai 1966: Konzert der Berliner Staatskapelle unter Otmar Suitner:
M. Ravel:
La Valse
Tschaikowsky:
Konzert op. 35. Solist: David Oistrach
Richard Strauß:
Also sprach Zarathustra
Konzert von David Oistrach

David Oistrach spielte am 26. Mai 1968 einen Soloabend, am Klavier begleitet von Frieda Bauer.
Das Programm:
Schubert: Duo in A-Dur, DV 574;
Prokofieff: Die selten gespielte Sonate Nr. 1 in f-Moll, (D. Oistrach gewidmet); nach der Pause:
Tartini:
Teufelstriller-Sonate;
Ravel
: Sonate in G-Dur.
Das Publikum erklatschte sich folgende Zugaben:
L. Janacek: Ballade;
Bartok
: Ungarische Volksweisen;
Locatelli: Das harmonische Labyrinth.

Konzert von David Oistrach

Die Erinnerung an dieses Konzert ist klarerweise überstrahlt von der Größe des Spiels von D. Oistrach, wobei Frieda Bauer eine sehr gute, aber nicht kongeniale Partnerin war. (vergleiche Gidon Kremer und Martha Agerich, oder D. Oistrach und S. Richter). Sicher war das Konzert auch durch den Ton Oistrachs ausgezeichnet, der bei Prokofieff unglaubliche Schattierungen (2. Satz) vermittelte, bei Ravel in exzessive Größe und Fülle ausartete. Die Kadenz der Teufelstriller-Sonate brachte die Schlußakkorde in nie gehörter Intensität, die den Rahmen der Sonate wohl eindeutig sprengte.
Zu einer Rezension aus der "Presse" vom 28. Mai befindet sich rechts ein Link.
Dieser Kritik ist nichts mehr hinzuzufügen.

22. Mai 1970: Soloabend mit Frieda Bauer am Klavier.
Programm:
Bach: Sonate in A-Dur, BWV 1015;
Schostakowitsch: Sonate op. 134 (1968);
Beethoven: Kreutzer-Sonate
Zugaben:
Schubert: aus der Sonate op. 162
Brahms: Scherzo in c-Moll
Beethoven: Sonate op.30/3 (allegro)

Konzert von David Oistrach
 
Konzert von David Oistrach
1972: Konzert der Wiener Philharmoniker am 28. Mai im Musikverein Wien, Eröffnungs-Konzert der Wiener Festwochen.
Dirigent und Solist: David Oistrach (Viola), Solist: Igor Oistrach (Violine).
Programm: Mozart:
Divertimento KV 251
Sinfonia concertante KV 364
Symphonie KV 551 (Jupiter)
   
Konzert von David Oistrach
11. Juni 1972: Konzert im Musikverein in Wien:
Wiener Philharmoniker unter Claudio Abbado
Brahms: Konzert op. 77
Bruckner: 1. Symphonie in c-moll
 
 

20. August 1972:
David Oistrach und Sjatoslav Richter:

Programm: Brahms: Sonate Nr. 2 in A-Dur; Bartok: Sonate Nr. 1; Prokofieff: Sonate Nr. 1 in f-Moll

Dieses Konzert ging als absolute Spitzenleistung in die "Violin-Geschichte" ein. Oistrach und Richter erreichten eine Intensität und ein exzessives Spiel, wobei Klangfülle, Agogik sowie Zusammenspiel diesen Abend zu einer absoluten Sternstunde machten. Alle 3 Kompositionen erklangen in individuell idealer Interpretation mit unzähligen Klangschattierungen und Farben. Das Publikum verließ den Saal nur ungern, eine bessere oder gesteigerte Kombination von Solisten und werkgerechter Interpretation schien nicht mehr möglich.

Konzert von David Oistrach