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Reflexionen

 

Leonid Kogan: Reflexionen

Leonid Kogan und David Oistrach:

Kogan sah im ersten Treffen mit D. Oistrach, der 16 Jahre älter war, eine wesentliche Motivation für seine Hinwendung zur Geige. Philip Yampolsky hatte in ihm die Liebe zur Arbeit geweckt, nun erhielt er künstlerische Impulse. Oistrach schlug Kogan als Russischen Teilnehmer für den Ysaye-Wettbewerb in Brüssel 1951 vor, bei dem Kogan den ersten Preis erspielte.
Obwohl Kogan immer Oistrach als Vorbild sah und auch später noch in den Meisterklassen von Oistrach zuhörte, verlief seine musikalische Entwicklung in eine andere Richtung: Sowohl Interpretation als auch Tonproduktion der beiden Geiger sind sehr unterschiedlich: Oistrach hatte einen sehr großen, vollen Violinton, der sich sowohl für Klassik wie auch für Romantik gleichermaßen eignete. Für Mozart-Konzerte war er aus heutiger Sicht zu groß. Kogan hingegen hatte einen kristallklaren, auch großen Ton, produzierte jedoch nie den übermäßig vollen Ton wie Oistrach.
Kogan kam auf die Bühne und begann zu spielen, wobei er oft den Oberkörper aus der Hüfte heraus bewegte und neigte. Oistrach hinhegen stand auf seinen Platz, oraktisch bewegungslos und ruhig.
Ich würde diese Unterschiede mit dem ruhig Dahinfließen eines breiten Stromes für David Oistrach bezeichnen, für Leonid Kogan passt besser die Bezeichnung von kristallklarem Wasser, das lebhaft über Steine seiner Bestimmung zustrebt.
Der Ton von Oistrach prädestinierte ihn für Klassik und Romantik gleichermaßen, jedoch war Oistrach allein mit diesem großen Ton. Kogan ist hingegen mit Jascha Heifetz oder Henryk Szeryng auf eine Ebene zu stellen.
Mein Freund Gustav Kuhn sagte einmal nach der Radio-Übertragung des Beethoven-Violinkonzertes im österreichischen Rundfunk: "So, das war jetzt eher das Violinkonzert von Oistrach als von Beethoven". Perfekt in der ganzen Aufführung spielte Oistrach mit so großem Ton, den er in der Kadenz noch steigerte.
Ein solches Urteil traf niemals auf Kogan zu.

Leonid Kogan in Wien:

Sehr spät durfte Kogan in den Westen reisen um international zu debutieren.
Wien nahm den Geiger überaus begeistert auf, sein Ruhm erregte Begeisterungsstürme bei jedem Konzert. So erklatschte das Publikum öfters bereits im ersten Teil der Konzerte Zugaben.
Kogan elektrisierte sein Publikum mit seinem klaren Ton, der immer perfekten Intonation und seiner stilsicheren Interpretation. Damit hielt er die Aufmerksamkeit der Zuhörer von der ersten bis zur letzten Minute.
Seine Konzertprogramme waren die damals übliche Mischung eines klassisch-romantischen Teils mit virtuosen Stücken und Zugaben.
Kogan wählte einen abwechslungsreichen Klassik Teil sowie einige der schwierigsten Veffekt-Stücke, wie etwa die Figaro-Ario von Castelnuovo-Tedesco.

 

 

 

Ausgewählte Aufnahmen:

Sarasate

Saint-Saens

Das legendäre Konzert

Letzte Änderung am: 24.02.2012  
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