Zum 75. Geburtstag von Thomas Bernhard!
Selbst berühmte SchriftstellerInnen sprachen in den 1960er - Jahren von einer literarischen Sensation,
als Thomas Bernhards erste Texte publiziert wurden. Seine Romane und Erzählungen erhielten schon früh kanonischen Rang zuerkannt. Doch der "Übertreibungskünstler" Bernhard
(1931-1989) polarisierte von Anfang an. Literarisch warf man ihm Manierismus vor, politisch wurde er - vor allem für sein Stück "Heldenplatz" - als Nestbeschmutzer
gebrandmarkt.
Im Jahre 2005 erschien ein hochinteressantes Werk über
Thomas Bernhard, das an dieser Stelle vorgestellt wird:
Rechtzeitig zum 75. Geburtstag von Thomas Bernhard gab der
StudienVerlag Innsbruck/Wien/Bozen eine interessante Publikation "Thomas Bernhard", heraus, erschienen in der Schriftenreihe
"die - informationen zur deutschdidaktik heft
4/05"
Herausgeber: Manfred Mittermayer, Eva Maria Rastner, Werner Wintersteiner
Die HerausgeberInnen habe eine sehr interessante Reihe von Aufsätzen zusammengestellt,
die dem Leser den österreichischen Schriftsteller Thomas Bernhard auf verschiedene Weise näherbringen. Nicht das Werk, die Fülle seiner Romane und Theaterstücke, sondern
dahinterliegende, also Meta-Themen, werden behandelt. So wird einerseits von hochkarätigen Kennern wie Hans Höller und Wendelin Schmidt-Dengler und anderen die Stellung Thomas Bernhards in
der Literaturgeschichte nach 1945 und ein Teil der komplexen Thematik seiner einzelnen Werke dargestellt, andererseits dringen die Autoren tiefer in die persönliche Motivik Bernhards ein, wie
etwa sein Verhältnis zur Krankheit, seine Stellung zur Musik und den Einsatz eines hintergründigen Humors und oft durchblitzenden Sarkasmus in seinen Werken.
Der Hauptteil der Publikation befasst sich mit der Frage, wie Person und Werk von Bernhard im
schulischen Bereich mehr Beachtung finden können. Hier kommen die Autoren Markus Kreuzwieser, Gudrun Kuhn und Stefan Krammer zu Wort, die Ihren Zugang zur Rezeption
Bernhards im Deutsch-Unterricht überzeugend erläutern.
Bringt Markus Kreuzwieser einen thematisch orientierten Lese-Leitfaden in einer Art "kommentierendes Lesen" als didaktischen Beitrag ein, so befasst sich Stefan Krammer mit den
dramatischen Elementen im Werk und zeigt Wege auf, durch die SchülerInnen aus Rollengesprächen oder situationsbezogenen Standbildern sich in die Lebenssituation und die innere Welt der
Figuren einzufühlen lernen. Gudrun Kuhn schließlich nähert sich der Hauptthematik auf völlig andere Weise: Sie bietet einen "Stationenzirkel" an, in dem an zehn
Stationen die Unterrichtsinhalte an Hand von Lernarrangements in Kleingruppen erarbeitet werden sollen.
Die drei eben genannten Autoren stellen in sich geschlossene und methodisch wohlstrukturierte Zugangsformen für den Deutsch-Unterricht vor, die dazu angetan sind, Thomas Bernhard weit über
das klischeehafte "Nestbeschmutzer" Image hinaus begreifen zu lernen und damit bedeutend weiter in die Tiefe seiner Werke einzudringen und Einblick in die Vielschichtgikeit seiner Person zu
gewinnen.
Biographische Notizen und eine Sammlung von Links im Internet ergänzen die Publikation. (Hervorzuheben ist der Link auf die Web-Seite von Adrian
Spirgi, der die augenfällige Beziehung zwischen Thomas Bernhard und Samuel Beckett endlich entsprechend thematisiert.)
Das vorliegende Thomas Bernhard Werk ragt durch die Prägnanz seiner Beiträge zur
Didaktik deutlich aus der Fülle von Meta-Werken über Th. Bernhard hervor und ist auch dem Liebhaber seiner Werke ohne schulische Befassung zu empfehlen.
Thomas Bernhard, erschienen in
ide - informationen zur deutschdidaktik heft 4/05.
StudienVerlag Innsbruck/Wien/Bozen
A-6020 Innsbruck, Erlerstraße 10,
ISSN 0721-9954
©2005
Ruprecht Hattinger
www.andromeda.at
12. März 2006